Das ultimative göttliche Weihnachtsbuch

Vincent Klink kocht, Wiglaf Droste dichtet, Nikolaus Heidelbach malt

Weihnachten mit Vincent Klink und Wiglaf Droste - List Verlag
Weihnachten mit Vincent Klink und Wiglaf Droste - List Verlag
Ein verrückter Schriftsteller, ein lukullischer Koch und ein respektloser Zeichner schleppen einen Sack voller Gerichte, Geschichten und Gedichte ins Haus: "Weihnachten"!

Zum Thema Weihnachten kann man wirklich kein Buch mehr machen. Es gibt schon alle (abgesehen von alternativen Weihnachtsgeschichten). Bloß warum werfen viele Verlage pünktlich Ende November neue Weihnachts-Titel auf den übersättigten Büchermarkt, wenn sich ab Heilig Abend mittags niemand mehr dafür interessiert und Anti-Lesetipps eigentlich besser ankommen? Offenbar kann man zum Thema Weihnachten immer noch ein Buch machen, und noch eins und noch eins…

Fantasievoller Buchtitel: "Weihnachten"

Ein wichtiges Unterscheidungskriterium sind die Titel. Den Sieg für den originellsten trägt ganz eindeutig und mit Abstand der List-Verlag davon. Das grüne Weihnachtsbuch des List-Verlages, das es in einer preiswerten Taschenbuchausgabe und als Edel-Hardcover gibt. heißt: „Weihnachten“. Die Autorenzeile darüber fällt dafür etwas länger und vielversprechend aus: Wiglaf Droste, Nikolaus Heidelbach, Vincent Klink. Aha, Klink kocht, Droste spinnt und Heidelbach malt.

Weihnachten bei Droste, Klink und Heidelbach

In der Tat bilden die drei in ihrem jeweiligen Fachgebiet prominenten Spaßmacher ein wunderbares Team, jedenfalls wenn man vom Ergebnis ausgeht. Das Buch „Weihnachten“ gehört unbedingt auf den Gabentisch für intellektuelle Leser und für Weihnachtsmuffel, die aber ihre Muffeligkeit nicht allzu ernst nehmen und am Ende doch gerührt „Stille Nacht“ mitsingen. „Advent ist wenn der Pfarrer schreit: Besinnlichkeit, Besinnlichkeit!“

Die Weihnachtsgans von Vincent Klink

Das so beginnende lange Gedicht muss von Wiglaf Droste stammen, denn Vincent Klink denkt eher über Gänse nach, in die er sich einfühlsam hineinversetzt und ihnen den Gänse-Tipp schlechthin verrät: Sie sollten versuchen, das erste Lebensjahr zu überstehen, denn die Überlebenden „werden die alten Tage auf dem Lande zubringen“. Zur Buße für seinen mörderischen Beruf und um das Lebensgefühl der Karpfen einmal selbst zu testen, springt der Koch anschließend in einen schlammigen Karpfenteich, ist aber froh, heil wieder herauszukommen, denn das Wasser war „wie Altöl“.

Karpfensoufflé oder Karpfenfilet mit Lebkuchen und Weißbier?

Lieber widmet er sich dem ultimativen Karpfenrezept: Karpfensoufflé mit Kerbel-Weißwein-Soße. Die Krönung stellt aber sein Karpfenfilet mit Lebkuchen und Weißbier dar, gottseidank verrät er uns auch, wo man „Soßenlebkuchen“ beziehen kann.

Gott hört Heiligabend Johann Sebastian Bach und Bob Dylan

Während Vincent Klink noch an seinem Mehrteiler über die Weihnachtsgans bastelt, dabei leckere Rezepte verrät und seine Schilderungen mit bildenden Informationen über kulinarische Weihnachtsbräuche in Schwaben, Franken, Böhmen und anderen europäischen Regionen garniert, zeichnet und malt Nikolaus Heidelbach göttliche Gemälde. Da gibt es Weihnachtsplätzchen kotzende Engel, eine ganze Menge dreiviertelnackter Damen (zum Beispiel nur durch Nikolausmütze und langen roten Sexy-Strümpfen gewärmt), verkleidete Affen, Krokodile (als Papst!), Gänse und anderes Getier. Wiglaf Droste schildert derweil ziemlich bissig, wie Gott mit seiner Frau Heiligabend bei Bach, der seit 1750 im Südflügel des Himmels lebt, und Bob Dylan verbringt.

Maultaschen, Schmorbraten und Mandelplätzchen von Vincent Klink

Der Mann ist ja nur neidisch, hat Angst vor dem "Stichtag der Angst", Heiligabend, und dem Fall des „letzten Tabus“, nämlich Weihnachten allein zu feiern. Klink hat wenigstens in der Küche zu tun, da kommen keine Langeweile und keine trüben Gedanken auf. Er legt sich mächtig ins Zeug, kocht Festtagssuppe und Maultaschen, führt durch die „Alchemie des Schmorbratens“ backt „Ofenschlupfer nach Tante Agathe“, Mandelplätzchen und Tarte Tatin. Bleibt die letzte aller Fragen übrig: „Wann ist ein Mann ein Weihnachtsmann?“ Schlag nach bei DuMont oder List!

Wiglaf Droste, Nikolaus Heidelbach, Vincent Klink: Weihnachten. Mit 55 farbigen Abbildungen. List 2009 (Taschenbuch) und DuMont 2008 (gebunden). 160 Seiten. 12,95 € und 24,90 €.

Andrea Reidt, Freie Journalistin, AR

Andrea Reidt - Die Printjournalistin Andrea Reidt sammelte vielfältige Erfahrungen in ihrem Beruf. Jetzt entdeckt sie die spannende Seite des ...

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